Stuttgarter Kantorei

Pressestimmen

Es ist vollbracht

Karfreitagskonzert 2015

Susanne Benda (07.04.2015, Stuttgarter Nachrichten) (09.04.15)

Laienchor? Das klingt nach gutem Willen und eifrigem Bemühen. Beides hat die Stuttgarter Kantorei am Karfreitag in der Stiftskirche bewiesen, aber denkwürdig wurde ihre Aufführung von Bachs Johannespassion unter der Leitung von Stuttgarts Stiftskantor Kay Johannsen vor allem dadurch, dass es dabei nicht blieb. Weit ist dieser Abend über das bei Amateursängern übliche und normalerweise Mögliche hinausgegangen: Johannsen hat nicht nur die Stimmen seines Chores fein ausbalanciert und miteinander verschmolzen, sondern außerdem Präzision und Hingabe der Sänger auf so feine und detaillierte Weise zusammengebracht, dass sich mancher Profi-Chor davon eine Scheibe abschneiden könnte.

Klare Textaussprache, exakte Tonvorstellung, hohe Konzentration: Diese Qualitäten der Kantorei, mit denen das Ensemble Stiftsbarock erst im zweiten Teil der Passion wirklich mithält, prägen ein Konzert, bei dem die auswendig gesungenen, in weiten Bögen, sehr frei und sehr expressiv genommenen Choräle als Momente der individuellen Reflexion im Mittelpunkt stehen.

Hier ganz schlicht, dort dynamisiert, beschleunigt oder ausgebremst und farblich abgetönt: Dieser Chorklang erweist sich zumal bei den Choralsätzen als das Ergebnis ­akribischer Detailarbeit. Dabei ist in ­Johannsens Johannespassion Perfektion kein Selbstzweck, und es geht – auch wenn mancher Volkschor auf packende Weise ­dramatisch durchgestaltet wird - nicht um oratorisches Theater, sondern um inneres Bewegtsein.

Das Orchester, vor allem die anfangs noch nicht ganz präsente Continuo-Gruppe, braucht ein wenig, um sich hineinzufinden, aber das wird. Und unter den Solisten sind exzellente. Jan Kobow etwa, der als Evangelist das Passionsgeschehen auf so ergreifende Weise selbst durchlebt, dass man ihm kleinere Unsicherheiten und Angestrengtheiten in der Höhe gerne nachsieht.

Oder die wundervolle Sopranistin Franziska Bobe, die ihre zwei Arien mit gerader, genauer Kopfstimme, mühelos und ausdrucksvoll gestaltet. Sie und auch Kresimir Strazanac (Christusworte), David Pichl­maier (Bass), Stephan Scherpe (Tenor) und Sonja Koppelhuber (Alt) tragen eine ­Aufführung mit, die kaum intensiver gelingen kann.

Weil der Stiftskantor diese ­weniger als Konzert verstand denn als musikalischen Nachvollzug des Passionsgeschehens, bat er im Programmheft darum, auf Beifall zu verzichten, und so verließen die Zuhörer die Kirche still, bereichert und ergriffen.

Der Schmerz der Worte

Karfreitagskonzert 2015

Frank Armbruster (06.04.2015, Stuttgarter Zeitung) (09.04.15)

Konzertroutine – wie das Weihnachtsoratorium zum Christfest, so gehören eben die bachschen Passionen zum Karfreitag. Um so höher freilich ist eine Aufführung einzuschätzen, der es gelingt, die Dringlichkeit und Größe der Werke wieder aufs Neue zu vermitteln.
Es waren viele Faktoren, die dazu führten, dass wohl viele Zuhörer am Karfreitag die Stiftskirche am Ende bewegt, manche sogar erschüttert verlassen haben. Ein entscheidender war der Chor, dem gerade in der Johannespassion eine wichtige Rolle zukommt. Elf Choräle gibt es darin, und jeder einzelne war hier von der Stuttgarter Kantorei entsprechend seines textlichen Gehalts individuell gestaltet, präzise artikuliert und klanglich konsistent. Fiel hier die Fähigkeit des Chors zur Differenzierung gerade leiser Passagen auf, so waren es in den Turbachören des Volkes die Beweglichkeit und chorische Durchschlagskraft – das »Kreuzige ihn« im zweiten Teil fuhr einem regelrecht durch Mark und Bein. Überhaupt arbeitete Johannsen sowohl die dramatischen als auch die kontemplativen Aspekte der Johannespassion vorbildlich heraus, bestens unterstützt durch das Orchester Stiftsbarock Stuttgart und die exzellenten Vokalsolisten. Die wichtigste Rolle kam dem großartigen Jan Kobow zu, der mit tenoraler Eloquenz und rhetorischer Nachdrücklichkeit durch das Passionsgeschehen führte. David Pichlmaier (Pilatus, Arien) und Kresimir Strazanac (Christus) überzeugten mit stimmlicher Autorität und Bass-Kernigkeit, Stephan Scherpe sang seine Arien mit einem unverbraucht frischen Tenor. Eine Entdeckung ist Sonja Koppelhuber. Die Mezzosopranistin sang die berühmte Arie »Es ist vollbracht« berührend innig, mit einem Klang, dem der Schmerz der Worte eingeschrieben war. Allein Franziska Bobe (Sopran) blieb etwas blass, was aber ebenso zu verschmerzen war wie der Verzicht auf die beiden Viole d´amore. Wie im Programmheft gebeten, gab es am Ende keinen Applaus. Das war gut so – auch durch Stille lässt sich Dankbarkeit ausdrücken.

Jubiläumskonzert 10 Jahre Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche Stuttgart

Thomas Bopp (August 2014 Stuttgarter Nachrichten) (04.08.14)

(...) »Johannsen zielt in seinem Konzert nicht wie Poulenc in seinem Orgelkonzert auf ein klanglich wirkmächtiges Nebeneinander, sondern verdichtet etwa im Einleitungssatz die Musik zu einer gründlich durchgearbeiteten Struktur voller motivisch-thematischer Beziehungen. In seinem Werk sind Orgel und Orchester völlig gleichberechtigte, eng miteinander verflochtene Partner. Dezent wird das Schlagwerk eingesetzt, das im Finale prägnant zum rhythmisch-prononcierten Drive beiträgt. Im klanglich gehaltenen Mittelsatz beteiligt Johannsen einzelne Streicher mit Soli, hier übernimmt die Orgel eher eine begleitende Funktion, und sie erhält einige farbliche Akzentuierungen durch das klangeffektiv eingebundene Schlagwerk.

Neben dem weiteren Nachweis seiner Improvisationskunst glänzte Johannsen auch mit der Wiedergabe eines Bachschen Werks: Seine überaus temperamentvolle, rhetorisch durchpulste Herangehensweise an Toccata, Adagio und Fuge C-Dur kehrte den jugendlichen Elan des Komponisten heraus.«

Jubiläumskonzert 10 Jahre Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche Stuttgart

Frank Armbruster (August 2014 Stuttgarter Zeitung) (04.08.14)

(...) »Dass der Stiftskantor Kay Johannsen ein begnadeter Improvisator ist, weiß man. An diesem Abend bewies er es durch eine freie Improvisation über ein Choralthema, dem er die wundersamsten Verwandlungen angedeihen ließ, dabei stellte er das enorme Klangpotential der Orgel ohrenfällig unter Beweis. Doch Johannsen ist auch ein begabter Komponist. Sein Konzert für Orgel, Streicher, Pauken und Schlagzeug, das an diesem Abend uraufgeführt wurde, nutzt effektvoll die Möglichkeiten dieser instrumentalen Kombination. Total eher konventionell angelegt, zeigt es kompositorische Finesse in seiner satztechnischen Anlage und der Instrumentation, die mit immer neuen Klangkombinationen überrascht. Ein Stück, das klingt und gefällt - auch dem Publikum in der vollbesetzten Kirche, das am Ende begeistert applaudiert.«

Vokal-Party mit Naschwerk

Jubiläumskonzert am 27. Juni

Susanne Benda (30.06.2014 Stuttgarter Nachrichten) (08.08.14)

»Überhaupt geriet diese Stunde der Kirchenmusik zu einer wundervollen Vokal-Party. Gemeinsam mit ihrem Gründer und Leiter, dem Stiftskantor Kay Johannsen, feierte die Stuttgarter Kantorei nicht nur ihr 20-jähriges Bestehen, sondern demonstrierte gleichzeitig, zu welch hohem Niveau sie sich in zwei Jahrzehnten emporgearbeitet hat. Dabei enthielt das Festprogramm hoch anspruchsvolle Literatur. (...) Schütz und Schein fließen dann in großer Ruhe und Schönheit, exzellent artikuliert und mir präzisen Parallelführungen dahin. (…) Die Wirkung war groß, der Beifall ebenfalls.«

Wettstreit um die Farben

Orgel- & Orchesterkonzert zum Jubiläum »10 Jahre Mühleisen-Orgel«

Frank Armbruster (04.08.2014 Stuttgarter Zeitung) (08.08.14)

»Vor zehn Jahren wurde die neue Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche eingeweiht (…): seitdem steht wieder ein Spitzeninstrument zur Verfügung, für das Organisten aus aller Welt gerne nach Stuttgart reisen. (…) Dass der Stiftskantor Kay Johannsen ein begnadeter Improvisator ist, weiß man. An diesem Abend bewies er es durch eine freie Fantasie über ein Choralthema, dem er die wundersamsten Verwandlungen angedeihen ließ, dabei stellte er das enorme Klangpotential der Orgel ohrenfällig unter Beweis. Doch Johannsen ist auch ein begabter Komponist. Sein Konzert für Orgel, Streicher, Pauken und Schlagzeug, das an diesem Abend uraufgeführt wurde, nutzt effektvoll die Möglichkeiten dieser instrumentalen Kombination. Tonal eher konventionell angelegt, zeigt es kompositorische Finesse in seiner satztechnischen Anlage und der Instrumentation, die mit immer neuen Klangkombinationen überrascht. Ein Stück, das klingt und gefällt – auch dem Publikum in der vollbesetzten Kirche, das am Ende begeistert applaudierte.«

»Bilder einer Ausstellung« in der Stiftskirche

Internationaler Orgelsommer 2014

Dietholf Zerweck (21.07.2014 Ludwigsburger Kreiszeitung)

»Feinsinnig und stilgerecht interpretiert waren Camille-Saint Säens‹ drittes Präludium und Fuge Es-Dur aus Opus 99 und zwei Sätze aus Robert Schumanns Sechs Studien in kanonischer Form für Pedalflügel. Bei der Zugabe mit der Jazz-Toccata eines norwegischen Komponisten zeigte sich Setchell wirklich als der allseits gerühmte Konzertvirtuose. «

Bachs weltliche Kantaten mit Kay Johannsen

Bach:vokal am 20. Juni

Dietholf Zerweck (23.06.2014 Ludwigsburger Kreiszeitung)

»In der altehrwürdigen Schlosskirche  wurden die Kantate für Solosopran Weichet nur, betrübte Schatten und die populäre Kaffee-Kantate in kleinster Besetzung dargeboten – möglichst nahe am barocken Original. Dafür hatte Johannsen hervorragende Solisten engagiert, und sein Ensemble Stiftsbarock spielte mit Streichquintett, Oboe und Traversflöte auf historischen Instrumenten. (…) In der ausverkauften Schlosskirche war dies, wie die ganze Kantate, von den Sängern und Instrumentalisten und mit Kay Johannsen am Cembalo höchst vergnüglich musiziert.«

Mit bewundernswerter Energie und Konzentration

Schmidt: Das Buch mit sieben Siegeln | Karfreitagskonzert 18.04.2014

Veronika Großkreutz (22.04.2014 Stuttgarter Nachrichten)

»... Dass der zweistündige Abend bis zum Ende in Bann zog, dafür sorgte Stiftskantor Kay Johannsen, der alle Beteiligten - die Stuttgarter Kantorei und das riesig besetzte Orchester, das Solistenquartett und die Orgel - mit bewundernswerter Energie und Konzentration zusammenhielt und durch sorgsame Tempodramaturgie und detaillierte Übergangsgestaltung den Spannungsbogen straff hielt. Und mittendrin Johannes, der PRophet, alias Brenden Gunnell. Ein großartiger Tenor, der seinen anspruchsvollen Part mitreißend gestaltete, immer höhensicher, deutlich artikulierend und sich gegen orchestrale Klanggewitter durchsetzend.«

Visionen vom Weltgericht

Schmidt: Das Buch mit sieben Siegeln | Karfreitagskonzert 18.04.2014

Dietholf Zerweck (23.04.14 Esslinger Zeitung)

»Mit dem Tenor Brenden Gunnell singt ein idealer Interpret die Hauptrolle des Johannes. Höchst differenziert und mit souveräner Textdeutung gestaltet er die visionären Szenen: Seine ariosen Passagen, seine blitzenden Kantilenen und die Intensität seines Sprechgesangs gliedern das Werk auf packende Weise. (...) Bewundernswert ist die Leistung der Stuttgarter Kantorei, die auch die manchmal verzwickten Stimmverschiebungen tadellos bewältigt und die Ausdruckswechsel klangkräftig darstellt. Erstaunlich, wie nach dem 16-fachen, bombastischen »Hallelujah!« der Geretteten samt Orgelgebraus die 32 Männerstimmen des Chors das gregorianische Dankgebet in schlichter unisono-Homogenität singen. – Enthusiastischer Beifall in der voll besetzten Stiftskirche.«

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