Stuttgarter Kantorei

Pressestimmen

Bravouröse Klangvisionen

Nathan Laube beeindruckt seine Zuhörer beim Internationalen Orgelsommer in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (10. August 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Er ist ein Topstar der internationalen Orgelszene. Ob er nun in Notre Dame in Paris oder in der Londoner St. Paul's Cathdral, in der King's College Chapel in Cambridge oder in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles musiziert: Nathan Laube beigeistert und erstaunt sein Publikum sowohlh durch seine atemberaubende Virtuosität wie auch durch die absolut überzeugende Stilistik seiner Interpretationen. (...) Atemberaubend jedoch ist seine ((Nathan Laube)) Bearbeitung, auf der Basis der Transkription Edwin Lemares, von Richard Wagners »Tannhäuser«-Ouvertüre. Wenn sich das Pilgerchor-Thema und die Venusberg-Kaskaden überlagern, erzeugt Nathan Laube mit zwei Händen gleichzeitig auf drei Manualen und den Pedalwirblen seiner Füße einen Rausch der Ekstase, welcher der originalen Orchesterversion in rein gar nichts nachsteht. Hier wird die Mühleisen-Orgel mit ihren 81 Registern zum unglaublich prächtigen, ausdrucksstark differenzierten Instrument einer Klangvision, die von Laubes grandioser Virtuosität geprägt ist.

Orgelsommer: Faszination französischer Kathedralmusik

Orgelkonzert Karol Mossakowski, 6. Juli

Dietholf Zerweck (9. Juli 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Unter den Veranstaltungsreihen der Orgelzyklen (...) spielt der Internationale Orgelsommer in der Stiftskirche eine besondere Rolle. Hier zeigen Orgelvirtuosen aus aller Welt auf der Mühleisen-Orgel ihr bewundernswertes Können, und gerade das französische Repertoire ist in diesem Juli und August wieder ausgiebig präsent. (...) Karol Mossakowski ist nicht nur ein souveräner Interpret französischer Orgelmusik, sondern brilliert auch mit eigenständigen Improvisationen, die er im Konzert in der Stiftskirche zwischen den Werken von Charles Tournemire, César Franck und Maurice Duruflé platzierte. (...) Seine ((Charles Tournemire)) »Victimae paschali laudes« beginnt mit einer strahlenden Fanfare, nach der Karol Mossakowski die zahlreichen reizvollen Soloregister der Mühleisen-Orgel wunderbar zum Klingen brachte. Die mystische Klangwelt des Komponisten entfaltete sich organisch, die brillante Schluss-Toccata zeigte die großartige Virtousität des jungen polnischen Organisten. 

Trauermusik zur Fastenzeit

»Actus Tragicus« bei Bach:vokal in der Stuttgarter Stiftskirche

Dietholf Zerweck (27. Februar 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

(...) Die 16 Gesangsprofis gerantieren einen lupenreinen Chorklang, was sich schon in Bachs Trauermusik »O Jesu Christ, meins Lebens Licht« mit voller Streicherbesetzung, Continuo und konzertierenden Oboen des Ensemble Stiftsbarock aufs Schönste verwirklichte. Be der einleitend musizierten Kantate «Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn« zeigten sich dagegen die solistischen Instrumente von Traversflöte, Violine und Oboe d'Amore im reizvollen Dialog mit den Gesangssolisten. Mit starkem Ausdruckskontrast hat Bach im »Actus Tragicus« die Auseinandersetzung von Chor, Solo-Sopran und instrumentalem Cantus Firmus komponiert. Hier bot die junge Sopranistin Franzsika Bobe eine wunderbare lichte, verklärte Deutung des Todes aus neutestamentarischer Sicht, und zusammen mit Magdalena Harer und dem Tenor Stephan Scherpe veredelte sie das »Gute Nacht« der Motette zum leuchtenden Engelsgesang.

Eine Kathedrale der Klänge

Loreto Aramendi brilliert an der Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (14. August 2017 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Internationale Orgelvirtuosen zeigen in der Stiftskirche auch in diesem Sommer wieder ihr Können, doch was die Spanierin Loreto Aramendi am Freitagabend an Formen und Klängen aus der viermanualigen Mühleisen-Orgel hervorzauberte, war schon außergewöhnlich. (...) In den Orgelbearbeitungen zweier Klavierwerke konnte Loreto Aramendi dann ihre ganze Virtuosität ausspielen: Sergej Rachmaninows Prélude cis-Moll meißelte sie mit dröhnenden Sforzati und wild herabstürzenden Tonkaskaden in den Kirchenraum, und bei Camille Saint-Saens' »Danse macabre« kamen die theatralischen Gebärden höchst effektvoll zum Ausdruck.

Leiden und Leidenschaft

Kay Johannsen hat in der Stiftskirche die Matthäuspassion dirigiert  

Susanne Benda (15.04.2017 Stuttgarter Zeitung)

Drei Stunden musikalisch erfüllte Empathie, drei Stunden, in denen ein Laienchor das Optimum dessen erreicht, was ein Laienchor erreichen kann, drei Stunden Spannung und eine staunenswerte, detailreiche, sehr genaue Durchdringung: So hat am Donnerstagabend Kay Johannsen Bachs Matthäuspassion wirken lassen, und so hat sie ihre Zuhörer berührt. (...) der vielschichtige Eingangschor (mit den Hymnus-Chorknaben) und der Schlusschor, dessen finalen Vorhalt Johannsen am liebsten überhaupt nicht aufgelöst hätte, schließen sich als Klammern fest um eine Aufführung, die das Leiden mit Präzision und Leidenschaft füllt und die Kunst und Gottesdienst ineinander fließen lässt.

Spannendes Musikdrama

Kay Johannsen dirigiert Händels Oratorium »Samson« in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (21.11.2016 Ludwigsburger Kreiszeitung)


Homogen und prägnant

»Schon zu Beginn erstaunt die 80-stimmige Stuttgarter Kantorei durch homogenen Klang und prägnanten Ausdruck, in den zahlreichen Chören des Oratoriums und im ständigen Wechsel der Israeliten und Philister gelingt ihr eine packende Darstellung. (...) Höchst lebendig entfaltet Johannsen mit dem stilsicher musizierenden Ensemble Stiftsbarock, dem Chor und den Solisten den Mittelakt des »Samson«-Musikdramas: Die Sorpanistin Andrea Lauren Brown ist eine verführerische Dalila, der Händel die betörendsten Koloraturen in die Stimme legt. (...) Ein weiterer Höhepunkt ist das Kräftemessen zwischen Samson und dem Riesen Harapha, dem der Bassist Simon Robinson prächtiges Volumen gibt. (...) Grandios auch das Finale mit Trauermarsch. Für die spannende Aufführung gab es begeisterten Beifall.«

Leiden eines biblischen Helden

Kay Johannsen dirigiert in der Stiftskirche »Händels Samson«

Markus Dippold (22.11.16 Stuttgarter Nachrichten)

»Wie meist in Werken dieser Gattung fällt dem Chor eine entscheidende Rolle zu. Der Stiftskantor Kay Johannsen hat seine Stuttgarter Kantorei hörbar gut auf diese Herausforderung vorbereitet. Eindrucksvoll gelingt die Gestaltung des Aufeinanderprallens der Philister und Israeliten im zweiten Akt. Bis zum finalen Gotteslob am Ende des fast dreistündigen Werks bewahren die rund 80 Sänger ihre Leichtigkeit in der Tongebung. Überzeugend ist vor allem die emotionale Auslotung des biblischen Dramas, das zwischen Resignation, Lebensmüdigkeit und Kampfgeist schwankt.«

Krönender Abschluss

Kay Johannsen beendet den Internationalen Orgelsommer in der Stiftskirche mit Reger und freien Improvisationen

Dietholf Zerweck (29.08.2016 Ludwigsburger Kreiszeitung)

»Niemand kennt wohl die große Mühleisenorgel in der Stiftskirche so gut wie deren Kantor Kay Johannsen, der auch bei der Disposition der 85 Register des prächtigen, vor zwölf Jahren eingeweihten  Instruments wesentlich mitgewirkt hat. Beim Abschlusskonzert des diesjährigen Internationalen Orgelsommers, an dem Orgelvirtuosen aus acht Ländern beteiligt waren, brachte sie Johannsen in vielfältigen, stilistisch reizvollen Kombinationen zum Erklingen. Das beeindruckte schon bei der Uraufführung seines aus einer früheren Konzertimprovisation entstandenen Stücks »Sunrise«: mit tremolierenden Flötenregistern entflieht das Dunkel der Nacht, vogelleicht kündigt sich der Sonnenaufgang an, sinnfällig baut sich das auf, wird immer strahlender, gleißender, gewinnt Fundament mit einem choralartigen Motiv im Pedal. Wie sich dieses grandiose Lichtwunder dann in Clustern verdichtet und klangmächtig entfaltet: ein großartiger Auftakt.

Zwei große Orgelwerke von Max Reger standen im Mittelpunkt des Konzerts. Die Choralfantasie über »Straf mich nicht in deinem Zorn«, kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden, fasst den Inhalt der sechs Strophen in extreme klangliche Kontraste, die nach Regers Anweisungen auch durch Einsatz des Schwellwerks innerhalb einzelner Töne und Takte noch gesteigert werden. Bei der Vision des Jüngsten Gerichts stürzt die Musik der »Höllenfahrt« in Terzketten durch mehrere Oktaven abwärts, Seufzer und Klagen erscheinen in charakteristischen Solostimmen, am Schluss triumphieren strahlende Mixturen. Regers Fantasie und Fuge d-Moll op.135 b ist sein letztes vollendetes Orgelwerk, ein Jahr vor seinem Tod 1916. Es ist die ungeheuer ausdrucksstarke Summe seiner Kompositionen für die »Königin der Instrumente«, und Kay Johannsen brachte in seiner Wiedergabe die ganze Komplexität und Klangvielfalt bewundernswert zur Geltung.

Nach der spannungsreichen Fantasie mit den sich abwechselnden, wie hingetupften Arpeggien und mächtigen Akkordballungen entwickelt Johannsen die Doppelfuge in ihrem Gegensatz von ruhiger Klarheit und bewegter Rhythmik prägnant. Meisterhaft gestaltet er das Filigrane des a-Moll-Themas, prachtvoll bringt er die Brillanz der Zungenregister zur Geltung. Dem »Meister Richard Strauss in besonderer Verehrung gewidmet«, spricht Regers Musik hier eine doch ganz andere, chromatisch vielschichtige Sprache und blickt auch zurück auf sein Vorbild Johann Sebastian Bachl.

Zwischen die beiden Reger-Stücke stellte Johannsen seinen in diesem Jahr aufgezeichneten »Song of Hope«, dessen swingender Rhythmus am Schluss von einer fröhlichen, gospelartigen Melodie überstrahlt wurde. Vom Publikum in der gut besuchten Stiftskirche mit Spannung erwartet, war die freie Improvisation über B-A-C-H ein krönender Abschluss. Aus raunendem Beginn, tremolierend und gleichsam mythisch umwölkt, entfaltete Kay Johannsen, seinem hoch sensiblen Naturell völlig adäquat, den tänzerischen Mittelteil mit federnden Bässen und inspiriert von lateinamerikanischen Rhythmen; den Schlussstein seines phantasiereichen Gebäudes bildete die Wiederkehr des Themas mit Zimbelstern und Glockenregistern.«

Bravouröse Stimmkunst

Festkonzerte des Deutschen Chorfests in der Stiftskirche und auf dem Schlossplatz

Dietholf Zerweck (28.05.2016 Ludwigsburger Kreiszeitung)

»(...) so steht Kay Johannsen mit den 16 Vokalisten seines Ensembles stimmkunst kirchenmusikalisch mit an der Spitze der Bach-Pflege. Mit dem Ensemble Stiftsbarock und seiner Konzertmeisterin Christine Busch steht dazu ein in historischer Aufführungspraxis geschultes Kammerorchester zur Verfügung.

Prachtvoll strahlten die Barocktrompeten in den Eckchören der Kantate ›O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe‹, die Flöten und Oboen malten das ›Entzünde die Herzen‹ mit bildhafter Intensität. Vorzüglich in Artikulation und Phrasierung sang die Altistin Lena Sutor-Wernich ihre Arie ›Wohl euch, ihr auserwählten Seelen.‹ Jedes der vier Stimmquartette glänzte in den Chören durch charakteristische Intonation und makellose Koloraturen.

Ein Höhepunkt vokaler Homogenität war die Motette ›Fürchte dich nicht, ich bin bei dir‹, deren Polyphonie vom Cantus firmus der Soprane mit innerem Leuchten erfüllt wurde. Mit der ›Kyrie-Gloria-Messe‹ G-Dur von Johann Sebastian Bach ging das vom Publikum mit viel Beifall bedachte Konzert in der Stiftskirche zu Ende.«

Seufzen, Sehnen, Singen

Packende Passionskonzerte mit dem Bachchor Stuttgart, der Stuttgarter Kantorei und dem Philharmonia-Chor

Verena Grosskreutz (29.3.2016 Stuttgarter Nachrichten)

»Da ist es, das Jüngste Gericht, Highlight jedes Requiems: Posaunen dröhnen, die Chorstimmen wogen in wildem Auf und Ab, die Feuerbrunst malend. Das »Dies Irae« ist auch in Antonín Dvoráks Totenmesse Ort greller Tonmalerei und lustvoll krasser Darstellung apokalyptischer Zustände. Und mittendrin in der Masse kraftvoll arbeitender Musizierender: Stiftskantor Kai Johannsen, der Dvoráks Requiem am Karfreitag in der ausverkauften Stuttgarter Stiftskirche mit feinem Gespür für den großen dramatischen Bogen zu einer mitreißenden Aufführung brachte – mit über 100 Choristen der Stiftskantorei, der romantisch-riesig besetzten Stiftsphilharmonie inklusive deftigen Blechbläserblocks, einem Solistenquartett und mit der Orgel im Rücken.«

Vier Töne für den Tod

»Neben diesen ekstatischen Momenten gefällt Dvoráks Requiem aber vor allem wegen seines lyrischen Tonfalls, etwa der schmerzvoll-introvertierten A-Cappella-Phasen mit der Bitte um ewige Ruhe und ewiges Licht, die Johannsen mit seinem farblich fein nuancierenden Chor hervorragend vorbereitet hat. Die Männerstimmen gehen zwar im Orchester-Tutti manchmal unter in der Wucht des Blechs. Die Frauenstimmen hingegen senden durchweg satte, präzise Farben. Wohlklingend ist die Intonation der Soprane, die zum insgesamt ausgewogenen Klangbild des Abends einiges beitragen. Im gut miteinander harmonierenden Solistenquartett sorgt Sopran Manuela Vieira für ekstatische Leidenschaft, Altistin Annelie Sophie Müller agiert mit edler Erhabenheit, und Tenor Kyungho Kim singt seinen Part sicher, locker, mit klangschöner Höhe. Bass Reinhard Mayr kämpft dagegen ein wenig mit der Tiefe.

Für den anspruchsvollen Orchesterpart – den ein Mann komponierte, der bereits acht große Sinfonien vollendet hatte – hat Kay Johannsen exzellente Musiker und Musikerinnen zusammengetrommelt. Emotional leuchtend, sehnend und seufzend agieren die Streicher, sehr präzise klingt die imposante Blechbläserfraktion mit Tuba, sensibel und farbig singend der Holzbläserblock, den Dvorák zur Schaffung von Kontrasten gelegentlich auch alleine in Szene setzt – so ­effektvoll wie die viertönige, seufzende Todeschiffre, mit der das Requiem beginnt und die immer wieder wie aus dem Nichts auftaucht.« (vg)

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