Stiftsmusik Stuttgart

Pressestimmen


Spannendes Musikdrama

Kay Johannsen dirigiert Händels Oratorium »Samson« in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (21.11.2016 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Homogen und prägnant

»Schon zu Beginn erstaunt die 80-stimmige Stuttgarter Kantorei durch homogenen Klang und prägnanten Ausdruck, in den zahlreichen Chören des Oratoriums und im ständigen Wechsel der Israeliten und Philister gelingt ihr eine packende Darstellung. (...) Höchst lebendig entfaltet Johannsen mit dem stilsicher musizierenden Ensemble Stiftsbarock, dem Chor und den Solisten den Mittelakt des »Samson«-Musikdramas: Die Sorpanistin Andrea Lauren Brown ist eine verführerische Dalila, der Händel die betörendsten Koloraturen in die Stimme legt. (...) Ein weiterer Höhepunkt ist das Kräftemessen zwischen Samson und dem Riesen Harapha, dem der Bassist Simon Robinson prächtiges Volumen gibt. (...) Grandios auch das Finale mit Trauermarsch. Für die spannende Aufführung gab es begeisterten Beifall.«


Leiden eines biblischen Helden

Kay Johannsen dirigiert in der Stiftskirche »Händels Samson«

Markus Dippold (22.11.16 Stuttgarter Nachrichten)

»Wie meist in Werken dieser Gattung fällt dem Chor eine entscheidende Rolle zu. Der Stiftskantor Kay Johannsen hat seine Stuttgarter Kantorei hörbar gut auf diese Herausforderung vorbereitet. Eindrucksvoll gelingt die Gestaltung des Aufeinanderprallens der Philister und Israeliten im zweiten Akt. Bis zum finalen Gotteslob am Ende des fast dreistündigen Werks bewahren die rund 80 Sänger ihre Leichtigkeit in der Tongebung. Überzeugend ist vor allem die emotionale Auslotung des biblischen Dramas, das zwischen Resignation, Lebensmüdigkeit und Kampfgeist schwankt.«


Seufzen, Sehnen, Singen

Packende Passionskonzerte mit dem Bachchor Stuttgart, der Stuttgarter Kantorei und dem Philharmonia-Chor

Verena Grosskreutz (29.3.2016 Stuttgarter Nachrichten)

»Da ist es, das Jüngste Gericht, Highlight jedes Requiems: Posaunen dröhnen, die Chorstimmen wogen in wildem Auf und Ab, die Feuerbrunst malend. Das »Dies Irae« ist auch in Antonín Dvoráks Totenmesse Ort greller Tonmalerei und lustvoll krasser Darstellung apokalyptischer Zustände. Und mittendrin in der Masse kraftvoll arbeitender Musizierender: Stiftskantor Kai Johannsen, der Dvoráks Requiem am Karfreitag in der ausverkauften Stuttgarter Stiftskirche mit feinem Gespür für den großen dramatischen Bogen zu einer mitreißenden Aufführung brachte – mit über 100 Choristen der Stiftskantorei, der romantisch-riesig besetzten Stiftsphilharmonie inklusive deftigen Blechbläserblocks, einem Solistenquartett und mit der Orgel im Rücken.«

 

Vier Töne für den Tod

»Neben diesen ekstatischen Momenten gefällt Dvoráks Requiem aber vor allem wegen seines lyrischen Tonfalls, etwa der schmerzvoll-introvertierten A-Cappella-Phasen mit der Bitte um ewige Ruhe und ewiges Licht, die Johannsen mit seinem farblich fein nuancierenden Chor hervorragend vorbereitet hat. Die Männerstimmen gehen zwar im Orchester-Tutti manchmal unter in der Wucht des Blechs. Die Frauenstimmen hingegen senden durchweg satte, präzise Farben. Wohlklingend ist die Intonation der Soprane, die zum insgesamt ausgewogenen Klangbild des Abends einiges beitragen. Im gut miteinander harmonierenden Solistenquartett sorgt Sopran Manuela Vieira für ekstatische Leidenschaft, Altistin Annelie Sophie Müller agiert mit edler Erhabenheit, und Tenor Kyungho Kim singt seinen Part sicher, locker, mit klangschöner Höhe. Bass Reinhard Mayr kämpft dagegen ein wenig mit der Tiefe.

Für den anspruchsvollen Orchesterpart – den ein Mann komponierte, der bereits acht große Sinfonien vollendet hatte – hat Kay Johannsen exzellente Musiker und Musikerinnen zusammengetrommelt. Emotional leuchtend, sehnend und seufzend agieren die Streicher, sehr präzise klingt die imposante Blechbläserfraktion mit Tuba, sensibel und farbig singend der Holzbläserblock, den Dvorák zur Schaffung von Kontrasten gelegentlich auch alleine in Szene setzt – so ­effektvoll wie die viertönige, seufzende Todeschiffre, mit der das Requiem beginnt und die immer wieder wie aus dem Nichts auftaucht.« (vg)


Dvořák löst breite Palette an Emotionen aus

Dietholf Zerweck (26.03.2016 Ludwigsburger Kreiszeitung)

»(...) Das erfordert von den Ausführenden große Konzentration und Ausdrucksvielfalt, die im Karfreitag-Konzert in der Stiftskirche auch vorbildlich dargeboten wurde. Kay Johannsen organisierte die gewaltigen Klangmassen und Stimmungswechsel im 'Dies irae' mit ruhiger Hand, die Stiftsphilharmonie beeindruckte durch prägnante Leuchtkraft. Wie sich Dvořáks Leitmotiv einer um sich selbst kreisenden Sekunde aus den Tiefen der STreicher ins Licht empor bewegt und die fast 90 Sängerinnen und Sänger der Stuttgarter Kantorei im 'Kyrie eleison' zu einem geradezu mystischen Chorklang verschmelzen, war ein berührender Anfang. Homogenität und Intonationsreinheit des Chors prägten auch die A-cappella-Teile, in denen Dvořák allein den menschlichen Stimmen die Botschaft der 'ewigen Ruhe' überträgt.«


Die Musik ist Erlösung geworden

Verdi-Requiem 2015

Georg Linsenmann (27.07.2015, Stuttgarter Zeitung) (31.07.15)

Wie konnte dieses Requiem als Werk für Soli, Chor und Orchester je als Verdis »schönste Oper« missverstanden werden? Eine Frage, die nach der Aufführung mit der Stuttgarter Kantorei, der Stiftsphilharmonie Stuttgart und einem fabelhaften Solisten-Quartett in der Stiftskirche als nurmehr musikhistorisch interessante Reminiszenz wirkt. Denn unter dem Stiftskantor Kay Johannsen erweisen sich Verdis mit faszinierender Präzision ins Werk gesetzten dramatischen Mittel schlicht als die zwingende musikalische Logik, mit der Verdi den Menschen in unbedingter Wahrhaftigkeit vor ein unausweichbar Absolutes stellt: vor die Sterblichkeit des Menschen. […]

Hier sprechen charakteristische Details in einem musikalisch zwingenden Zusammenhang. Schon die sotto voce im ersten Pianissimo-Einsatz der Männerstimmen hat tragende Intensität und ist wegweisend für die dynamische Anlage zwischen extrem schwierigem, vielfachem Pianissimi und apokalyptischen Fortissimi. […]

Wie von allein scheinen die von Johannsen in zwanzig Jahren geformten Ensembles dem Leiter zu folgen. Man hört weltstürzende Fortissimoschläge, aufheulende Chor- und Orchesterstimmen, gleißende Chromatik, scheinbar einstürzende Harmonik im »Dies irae« sowie geisterhafte Generalpausen im »mors stupebit«. Vollständig in den Dienst dieser Musik stellen sich die fein harmonierenden Solisten in Reinkultur im unbegleiteten »Huic ergo parce«. Wie vom Himmel schwebend bietet die überragende Sopranistin Katharina Persicke das finale »Libera me«, »Rette mich«. Offen verhallend, wodurch das etwas zu laute Blech wie ein dicker Schlusspunkt wirkt, was den wie befreit wirkenden, begeisterten Beifall in der Stiftskirche allzu schnell einsetzen lässt. Dennoch: diese Verdi-Messe ist packend, ergreifend und zeitlos aktuell.


Erschütterndes Werk mit viel Intensität

Verdi-Requiem 2015

28.07.2015, Gmünder Tagespost (31.07.15)

[…] Mit Stimmgewalt und Ausdruckskraft führten die Choristen der Stuttgarter Kantorei das einleitende Requiem und Kyrie in den sakralen Charakter der Missa ein. Zusammen mit den vier Solisten entstanden in der Sechsstimmigkeit des Requiems klare und plastische Register in den einzelnen Stimmen, die sehr schön auf die gewaltige Dramatik des folgenden Dies irae vorbereiteten. Die Stuttgarter Kantorei sang selbst im Fortissimo äußerst homogen und wusste dabei auch den virtuosen, eingefügten Solistenarien leuchtende Strahlkraft abzugewinnen. Sehr schön erzeugten die Choristen einen sensiblen, von weichem Gestus geprägten, leisen Klang, der auch in den folgenden Sätzen die stimmungsmäßigen und dynamischen Entwicklungen innerhalb dieser Missa zur Geltung kommen ließen.

Die vier Solisten Katharina Persicke, Taxia Kanati, Joshua Whitener und Patrick Zielke zeichneten sich sowohl im Offertorium als auch im folgenden Agnus Dei, Lux aeterna und dem abschließenden Libera me durchweg durch ein hohes stimmliches Niveau aus. So besaß die Stimmführung der Solisten in den jeweiligen Arien eine prägnante Kontur, nie forciert herausgetrieben, sondern durch fein dosierte Nuancen auf hohem sanglichem Niveau gehalten.

Sehr expressiv war der Sopran von Katharina Persicke, der in seiner gleichzeitigen Zartheit und Ausdrucksstärke ein schön weiches Timbre hatte und den Katharina Persicke hervorragend in teils erschütterndem, teils zarten Ton in das musikalische Gesangsbild einfließen ließ.

Mezzosopranistin Taxia Kanati schien in ihren Solo- oder mehrstimmigen Passagen regelrecht zu leben. Ihr gelang sehr schön die Differenzierung zwischen Stimmungen und Lautstärken in den Arien hervorzuheben und bot mit ihrem Part in dieser Missa große musikalische Frische und Energie, hohe Konzentration sowie intensive Gestaltung. Joshua Whitener erfüllte seinen Tenorpart mal mit einer bedeutungsvollen Schwere, mal mit plastischer Linearität und bettete sich somit auch ganz selbstverständlich sowohl in das harmonisch zusammenwirkende Solistenquartett (Offertorium), als auch in den Chor- und Orchesterklang. Patrick Zielkes konturstarke Bassstimme hatte einen wunderbar herrschaftlichen Ton, expressiv und lyrisch mit beeindruckender Intonationsstärke.

Die begleitende Stiftsphilharmonie Stuttgart musizierte stets äußerst präzise und architektonisch gedacht, wodurch die genau durchdachte Dramaturgie der Tempi und der Dynamik ein besonderes Augenmerk erhielt. Die MusikerInnen zeigten sich als Begleiter des Chores oder auch der Solisten äußerst agil in der Umsetzung der vielfältigen dynamischen Abstufungen, die Stiftskantor KMD Kay Johannsen in teils schnellem Wechsel einforderte. Durch dieses Dirigat gelang es Kay Johannsen die musikalische Linie der alternierenden Chor- und Solisten- und Ensemblesätze in einem steten Fluss zu halten und überlegt die ausdrucksvollen Spannungsbögen voll auszuschreiten und eindringliche Akzente zu setzen.

[…]


Von Horror und Hosianna

Verdi-Requiem

Wolfgang Nussbaumer (28.07.2015, Ostalb-Kurier) (31.07.15)

[…] Man muss zu dramatischen Vokabeln greifen, um dieses Phänomen überhaupt anschaulich machen zu können. Kay Johannsen ist der Hexenmeister. Er ruft die Geister zum orchestral-stimmlichen Veitstanz – und weist sie nach getanem Fortefuror in die Schranken des Pianissimo. Er muss dazu nur die rechte Hand schließen. Der drahtige Stuttgarter Stiftskantor ist der Dompteur. Chor, Orchester, Solisten – alles sieht auf sein Kommando, bereit, im Bruchteil einer Sekunde zu reagieren.

Und der Organist Kay Johannsen ist der Poet, der auf der Klaviatur der Gefühle spielen kann, dass einem die Tränen in die Augen steigen. Sein Können kommt natürlich nur zum Tragen auf dem felsenfesten Fundament seiner Stuttgarter Kantorei, der ebenfalls von ihm gegründeten Stiftsphilharmonie und des Solistenquartetts.

Die makellose Sopranistin Katharina Persicke, ihre prachtvolle griechische Mezzokollegin Taxia Kanati, der beseelte amerikanische Tenor Joshua Whitener und der unerschütterliche Bassist Patrick Zielke scheinen wie alle anderen Akteure und das hingerissen lauschende Publikum im voll besetzten Münster von Beginn an ganz im Banne dieser großartigen Musik zu stehen.

Und so offenbart sich dieses Requiem trotz aller vordergründigen inhaltlichen Implikationen in Johannsens fesselnder Interpretation als ein Paradies an orchestralen Farben, chorischer Präsenz und dramatischen solistischen Zäsuren.

Durch die schon exzessiv ausgelebte Dynamik, die jedoch nie aus dem Ruder der Disziplin läuft, schafft der Dirigent ein dramatisches Gerüst, das jeder Belastung standhält.

Im »Dies irae« öffnet die Hölle mit klanglicher Urgewalt ihren Schlund, den die beiden Sängerinnen in ihrem Duett »Recordare, Jesus pie« (Milder Jesus, wollst erwägen) mühelos besänftigen.

Wie der voluminös, geheimnisvoll dunkel kolorierte Mezzosopran der großgewachsenen Kanati mit dem wohltimbrierten und kraftvoll fundierten lyrischen Sopran der einen Kopf kleineren Katharina Persicke zu lasierender Klangfarbe korrespondiert, ist eine der Kostbarkeiten dieser geistlichen Weltmusik.

Oder die Tenorarie »Ingemisco tamquam reus« (Seufzend steh ich schuldbefangen), deren demutsvoller Charakter Joshua Whitener mit lyrischer Verve gestaltet. Oder das doppelchörige »Sanctus«, in dem die Sängerinnen und Sänger im stimmlichen Geschwindschritt komplexe Klanggirlanden winden. Oder dieses abschließende »Libera me, Domine, de morte aeternam«(Rette mich, Herr, vor dem ewigen Tod). Man zittert förmlich mit, wenn die warme Stimme der Sopranistin vor Angst förmlich erbleicht (»Tremens factus sum«) – und atmet erlöst deren tröstende Süße ein, als sie den Himmel öffnet: »Et lux perpetua luceat eis« (und das ewige Licht leuchte ihnen).

Im Spannungsfeld zwischen Horror und Hosianna kann es für die Stuttgarter Kantorei in diesem Verdi-Falle nur einen Sieger geben: die perfekte Vitalität seiner Musik. Hymnischer Applaus!


Es ist vollbracht

Karfreitagskonzert 2015

Susanne Benda (07.04.2015, Stuttgarter Nachrichten) (09.04.15)

Laienchor? Das klingt nach gutem Willen und eifrigem Bemühen. Beides hat die Stuttgarter Kantorei am Karfreitag in der Stiftskirche bewiesen, aber denkwürdig wurde ihre Aufführung von Bachs Johannespassion unter der Leitung von Stuttgarts Stiftskantor Kay Johannsen vor allem dadurch, dass es dabei nicht blieb. Weit ist dieser Abend über das bei Amateursängern übliche und normalerweise Mögliche hinausgegangen: Johannsen hat nicht nur die Stimmen seines Chores fein ausbalanciert und miteinander verschmolzen, sondern außerdem Präzision und Hingabe der Sänger auf so feine und detaillierte Weise zusammengebracht, dass sich mancher Profi-Chor davon eine Scheibe abschneiden könnte.

Klare Textaussprache, exakte Tonvorstellung, hohe Konzentration: Diese Qualitäten der Kantorei, mit denen das Ensemble Stiftsbarock erst im zweiten Teil der Passion wirklich mithält, prägen ein Konzert, bei dem die auswendig gesungenen, in weiten Bögen, sehr frei und sehr expressiv genommenen Choräle als Momente der individuellen Reflexion im Mittelpunkt stehen.

Hier ganz schlicht, dort dynamisiert, beschleunigt oder ausgebremst und farblich abgetönt: Dieser Chorklang erweist sich zumal bei den Choralsätzen als das Ergebnis ­akribischer Detailarbeit. Dabei ist in ­Johannsens Johannespassion Perfektion kein Selbstzweck, und es geht – auch wenn mancher Volkschor auf packende Weise ­dramatisch durchgestaltet wird - nicht um oratorisches Theater, sondern um inneres Bewegtsein.

Das Orchester, vor allem die anfangs noch nicht ganz präsente Continuo-Gruppe, braucht ein wenig, um sich hineinzufinden, aber das wird. Und unter den Solisten sind exzellente. Jan Kobow etwa, der als Evangelist das Passionsgeschehen auf so ergreifende Weise selbst durchlebt, dass man ihm kleinere Unsicherheiten und Angestrengtheiten in der Höhe gerne nachsieht.

Oder die wundervolle Sopranistin Franziska Bobe, die ihre zwei Arien mit gerader, genauer Kopfstimme, mühelos und ausdrucksvoll gestaltet. Sie und auch Kresimir Strazanac (Christusworte), David Pichl­maier (Bass), Stephan Scherpe (Tenor) und Sonja Koppelhuber (Alt) tragen eine ­Aufführung mit, die kaum intensiver gelingen kann.

Weil der Stiftskantor diese ­weniger als Konzert verstand denn als musikalischen Nachvollzug des Passionsgeschehens, bat er im Programmheft darum, auf Beifall zu verzichten, und so verließen die Zuhörer die Kirche still, bereichert und ergriffen.


Der Schmerz der Worte

Karfreitagskonzert 2015

Frank Armbruster (06.04.2015, Stuttgarter Zeitung) (09.04.15)

Konzertroutine – wie das Weihnachtsoratorium zum Christfest, so gehören eben die bachschen Passionen zum Karfreitag. Um so höher freilich ist eine Aufführung einzuschätzen, der es gelingt, die Dringlichkeit und Größe der Werke wieder aufs Neue zu vermitteln.
Es waren viele Faktoren, die dazu führten, dass wohl viele Zuhörer am Karfreitag die Stiftskirche am Ende bewegt, manche sogar erschüttert verlassen haben. Ein entscheidender war der Chor, dem gerade in der Johannespassion eine wichtige Rolle zukommt. Elf Choräle gibt es darin, und jeder einzelne war hier von der Stuttgarter Kantorei entsprechend seines textlichen Gehalts individuell gestaltet, präzise artikuliert und klanglich konsistent. Fiel hier die Fähigkeit des Chors zur Differenzierung gerade leiser Passagen auf, so waren es in den Turbachören des Volkes die Beweglichkeit und chorische Durchschlagskraft – das »Kreuzige ihn« im zweiten Teil fuhr einem regelrecht durch Mark und Bein. Überhaupt arbeitete Johannsen sowohl die dramatischen als auch die kontemplativen Aspekte der Johannespassion vorbildlich heraus, bestens unterstützt durch das Orchester Stiftsbarock Stuttgart und die exzellenten Vokalsolisten. Die wichtigste Rolle kam dem großartigen Jan Kobow zu, der mit tenoraler Eloquenz und rhetorischer Nachdrücklichkeit durch das Passionsgeschehen führte. David Pichlmaier (Pilatus, Arien) und Kresimir Strazanac (Christus) überzeugten mit stimmlicher Autorität und Bass-Kernigkeit, Stephan Scherpe sang seine Arien mit einem unverbraucht frischen Tenor. Eine Entdeckung ist Sonja Koppelhuber. Die Mezzosopranistin sang die berühmte Arie »Es ist vollbracht« berührend innig, mit einem Klang, dem der Schmerz der Worte eingeschrieben war. Allein Franziska Bobe (Sopran) blieb etwas blass, was aber ebenso zu verschmerzen war wie der Verzicht auf die beiden Viole d´amore. Wie im Programmheft gebeten, gab es am Ende keinen Applaus. Das war gut so – auch durch Stille lässt sich Dankbarkeit ausdrücken.


Vokal-Party mit Naschwerk

Jubiläumskonzert am 27. Juni

Susanne Benda (30.06.2014 Stuttgarter Nachrichten) (08.08.14)

»Überhaupt geriet diese Stunde der Kirchenmusik zu einer wundervollen Vokal-Party. Gemeinsam mit ihrem Gründer und Leiter, dem Stiftskantor Kay Johannsen, feierte die Stuttgarter Kantorei nicht nur ihr 20-jähriges Bestehen, sondern demonstrierte gleichzeitig, zu welch hohem Niveau sie sich in zwei Jahrzehnten emporgearbeitet hat. Dabei enthielt das Festprogramm hoch anspruchsvolle Literatur. (...) Schütz und Schein fließen dann in großer Ruhe und Schönheit, exzellent artikuliert und mir präzisen Parallelführungen dahin. (…) Die Wirkung war groß, der Beifall ebenfalls.«


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